Ruth Gast : Die Werke aus Sicht der Künstlerin
Ruth Gast : Die Werke aus Sicht der Künstlerin

 

Meeresraum 2017  106x107cm

 

Dieses (Selbst-)Portrait kann gleichzeitig als stark empfundene Natur - bzw.

Meereslandschaftsstimmung eingeordnet werden . Die gerade dem Ozean

Entstiegene trieft noch vom algengrünen Wasser und hat diesen nach innen

gehenden Blick der Schwimmerin , die in sich ihrer Verschmelzung mit dem

nassen Element ganz in ihrer eigenen Atmosphäre bewegte . Ehe sie wieder

festen Boden unter den Füssen spürte und langsam zu den Erdbewohnern

zurückkehrte . Eintauchen in das kühle Nass bedeutet auch immer :

einen anderen Halt spüren , keinen Boden mehr haben , aber dafür die Tragkraft des

Wassers , dem , wenn frau untertaucht , völlig andere Licht-und Farbverhältnisse

innewohnen . Eine eigene Welt .    

 

 

Die Insel 2014 111x107cm

 

In Anlehnung an Arnold Böcklins Toteninsel erscheint hier eine dazu verhältnismässig

heitere , helle Insel , wo auch gleich ein Esstisch auf die BesucherInnen derselben

wartet , allerdings ungedeckt . Im Vordergrund die erschöpfte Fischerin , der ihre

Mahlzeit gerade entwischt , da sie damit beschäftigt ist , sich den Schweiss von der

Stirn zu wischen , den Hut neben dem Kopf haltend und sich mit der anderen Hand 

beschützend umfassend . Der Heissluftballon ohne Insassen schwebt unschlüssig gen

Bucht , doch wo sollte er landen , eine Frage , die auch das Boot beträfe . Es gibt keinen

Hafen . Oben auf den Felsen sind schemenhaft eine Art Behausungen auszumachen .

Dies ist ein anderes Reich , jenseitig und in seinen Ausmassen unserer Fantasie überlassen .

 

 

 

 Magische Landschaft 2013 57 x 69 cm

 

Ein überschaulicher , einfacher Bildaufbau , klare Grundfarben , relativ konstrastreich , auch ,

was Hell - und Dunkelkontraste angeht , ein abwechslungsreicher Duktus mit verschiedenen

Techniken ( Öl und Acryl , dick und dünner aufgetragen ) , sehr schnell gemalt  . 

Wir atmen auf und halten trotzdem die Luft an . Die Sonne geht auf und vervielfältigt sich auf

kubistische Weise . Sie scheint sich darunter noch einmal zu spiegeln .  

Ein Weg scheint gleichzeitig wie ein Bach hinabzufallen und da , wo die menschenleeren 

Berge oder das Meer in der Ferne zu vermuten wären , prangt ein teilweise hautfarbender

Balken . Vielleicht trennt der schwarze Längsstrich die schwebenden Gebilde am Horizont

von der Mauer eines Hauses ganz links oben . Es ist Bewegung in der Landschaft und sie

fällt nach links ab . Die Szenerie wirkt geheimnisvoll und schildert den Grenzbereich

zwischen Tag und Nacht , die blaue Stunde .

 

 

  

 

 

 

Ein Dorf 2012 30x40 cm

 

Die Landschaftsbilder sind eine Sparte für sich und bewegen sich in einem teilweise

abstrakteren Rahmen als die Menschenthemen . Hier ist der Duktus aufgelockert ,

und die Komposition wirkt spielerisch-rhythmisch , wobei die Dynamik der Menschenbilder

auch hier zu spüren ist . Die Landschaften wirken keineswegs ruhend und "erdverbunden".

Im obigen Beispiel habe ich das Bild während des Malprozesses umgedreht . Und das

Dorf bleibt trotzdem ein Dorf . Ich betrachte die Landschaften teilweise als Studien und

ordne sie so ein, dass sie ästhetisch und freundlich daherkommen, jedoch nicht die

Aussagekraft und Botschaften der Menschenbilder enthalten .

Natürlich können gute Bilder nie die Psyche einer Künstlerin verbergen, egal , um welche

Inhalte es geht . So zeigen die Landschaften u.a. die Entwurzelung und das Unaufgehoben -

sein , eine gewisse Ruhelosigkeit und auf der anderen Seite die Liebe zur Natur und

das Schwelgen im Reichtum der Farben .

Stilistisch gesehen entspringen auch diese Bilder dem Studium des Kubismus und

Expressionismus und beruhen daraufhin auf einer eigenen Formensprache , so wie

alle Kunstschaffenden sich an Altem orientieren, um es neu zu kombinieren und

individuelle Schriftzüge hineinzutransportieren .

 

 

Strasse in Merzhausen 2012  37 x 37 cm

 

Merzhausen , ein Fall für sich , da es nicht mehr zu Freiburg zählt und

doch unmittelbar angrenzt . Die gelbe Strasse , formal ein Pendant zu

den Bäumen ringsum , stösst auch nur auf einen hohen  Baum und führt

nirgendwohin . Eine Riesenhand scheint sich über die Bepflanzungen

links zu legen . Die gleichen Blautöne des Schwarzwaldes im

Hintergrund erscheinen auch auf der vorderen Bildebene , wodurch eine

Art Rhythmik entsteht , der Raum jedoch nicht verfälscht wird . Rötlich-

braune Töne sind eingesetzt wie die fundamentale Bildfarbe . Sie scheinen

sozusagen durch und sind eigentlich doch teilweise dazwischengesetzt .

An diesem Bild ist gut zu sehen, was ich oft denke, wenn ich male :

Malerei ist Illusion , ist eine einzige Mogelpackung , täuscht vor, was

nicht ist .

 

 

 

     

Gedanken zu den Landschaften aus einer Vernissagerede von Angela Lenz am 23.3.2013 ( siehe auch den Link unter " Agierende " )

 

... Im Jahre 2012 waren die Agierenden und so wichtigen Personen aus den Bildern verschwunden . Das bisher Hintergründige übernimmt Präsenz . Die Fläche , die ihre Personen in der figürlichen Malerei umgibt und dort deren Spielraum bildet , erfährt eine eigene Dynamik . Sie wird Vordergrund . Zart und fliessend , oder kraftvoll expressiv und wild. Mal ist es ein Streicheln der Landschaft , man hat das Gefühl , man spürt den Sommerwind wie in dem Bild "Wilder Weg" zu sehen . Auch hier vermittelt die Künstlerin den BetrachterInnen einen tief empfundenen Gefühlszustand . Und wie ich es von Ruth Gast kenne , ist es ein Zustand , den sie sehr speziell wahrnimmt . Nicht unbedingt dazu geeignet , mit den eigenen , eventuell romatischen Vorstellungen verwechselt zu werden .

Gekonnte Farbsetzungen lassen räumliche Tiefe entstehen .

Und da tauchen auch wieder die Menschen und deren Essentialien und Behältnisse auf, beinahe schüchtern und verloren wirken sie in ihrem sonst so dominierten Raum ...Nein , sie  (gemeint sind die Landschaften-Anm. der Künstlerin)verschwinden nicht aus Ruths Oeuvre , sie haben nur vorübergehend eine gleichberechtigte Positions-Partnerschaft erhalten .