Ruth Gast : Die Werke aus Sicht der Künstlerin
Ruth Gast : Die Werke aus Sicht der Künstlerin

Intention :

 

 

Was intendiere ich mit meinen Werken ?

 

Ich habe auf jeden Fall ein Sendebewusstsein . Ich möchte so viele Menschen wie möglich

erreichen und dabei ganz bestimmt nicht nur Insider . Ich betrachte es als besondere

Auszeichnung , wenn jemand , die/der sozusagen keine Ahnung von Kunst hat , etwas mit

meinen Bildern anfangen kann . Ich hoffe , dass die BetrachterInnen sich selbst in meinen

Bildern wiederfinden können .

 

Und ich will sie insofern etwas missionieren  ,  als sie sich ihre eigenen Ängste und Schwächen

ansehen und sich ihren Konflikten im Umgang mit anderen Menschen stellen . Das ist durchaus

ein therapeutischer Ansatz . Ich bin psychologisch sehr interessiert und auch geschult , könnte

frau sagen . Dabei möchte ich mich von der breiten Masse abheben , die meiner Ansicht nach

eher den Zeitgeist der Beziehungslosigkeiten wiedergibt und die allgegenwärtige Einsamkeit ,

den narzistischen Egotripp zitiert , ohne auf Lösungsmöglichkeiten hinzuweisen .

Meine Bilder sind frauenpolitisch .    

Sehr oft kommen androgyne oder auch ganz klar männliche Figuren vor , die aber

meistens Wesensanteile einer Frau sind , meistens meine eigenen Anteile . Nach dem Prinzip der

Tiefenpsychologie teile ich den Menschen in ihre/ seine Wesensanteile auf , die miteinander

agieren bzw.streiten oder kooperieren , je nach dem . Diese Anteile werden repräsentiert durch

bestimmte Typen , teilweise erfunden , teilweise aus meinem realen Umfeld übernommen . 

 

 

 

Stil :

 

 

Wie erklären Sie sich Ihren Stil bzw. warum malen Sie z.B. gegenständlich ?

 

Das war ein weiter Weg . Im Studium beschäftigten wir uns im ersten Semester eigentlich

ausschliesslich mit  „Schrott“ -Stilleben oder Aktzeichnen  , also betrieben Naturstudium ,

übrigens ohne je in die Natur zu gehen , die in Berlin eh zu Wünschen übrig lässt .

Ich habe deshalb später einen grossen Nachholbedarf an Landschaftsmalerei entwickelt .

Spätestens im vierten Semester wurde verlangt , nun frei davon zu werden und eine eigene

Sprache zu finden . Ich wechselte damals gerade den Prof und bekam dann erfreulicherweise

nur noch Bestätigungen von dem , was ich bereits machte : nämlich vor allem Radierungen

und düstere Ölbilder mit Menschendarstellungen , die thematisch und stilistisch der Kunst  Max

Beckmanns verwandt waren , ohne dass ich mich jedoch bewusst mit dem Maler beschäftigt

hätte , in dessen Werk Blechblasinstrumente , brutale Szenen und überfüllte Räume   

vorkommen , was bei  mir damals auch der Fall war . Erst nach dem Studium begann ich , 

einzelne Kunstepochen durchzugehen .

Ich studierte sozusagen zuerst den Impressionismus , dann den Kubismus  und schliesslich den

Expressionismus , dem mein Werk heute am ehesten zugeordnet wird .

Wir haben alle Vorbilder . Meines ist die klassische Moderne . Natürlich habe ich mich auch mit

ungegenständlicher Malerei  beschäftigt , doch erfüllt diese nicht die Kriterien meines

Sendebewusstseins , das ich an anderer Stelle ( Intention meiner Malerei ) angeführt habe. 

 

 

Berufung :

 

  

Wie sind Sie dazu gekommen , Kunst zu machen ?

 

Ich bin von klein auf dazu angeregt worden . Meine Mutter ist Kunsterzieherin gewesen.

Sie erzählt , dass ich , wenn ich aus dem Kindergarten kam , sofort zu Papier und Kreiden

gegriffen und mich auf diese Weise darüber ausgedrückt hätte , was ich zuvor erlebt

hatte . Dieses Prinzip habe ich bis heute beibehalten .

Die Mittel dazu habe ich mir vor allem durch Anregungen wie Museumsbesuche

oder Tipps von meiner Mutter , aber vor allem durch viel Übung und Praxis angeeignet .

Weniger informativ war das Studium an der Hochschule . Es diente eher als abschreckendes

Beispiel , wovon frau sich eben gerade nicht einschränken und beeinträchtigen lassen sollte ,

gab mir aber auf der anderen Seite das Grundgerüst des Naturstudiums und Arbeiten auf 

grösseren Formaten mit Medien wie der Ölfarbe oder in der Grafik der Radierung mit .

Ich hatte zuerst Kunsterziehung studiert und sattelte dann im selben Fachbereich auf Freie 

Malerei um .

Eigentlich hätte ich Orchestermusikerin werden sollen , und so spielte ich in Berlin viel

auf der Trompete und nutzte dabei die Kontakte zu den MusikerInnen an meiner Hochschule .

Nachdem ich mich nach dem Studium teilweise als Trompetenlehrerin versucht hatte , wurde

mir klar , dass ich zur Kunst berufen bin und die finanziellen Durststrecken , die das mit sich

bringt , in Kauf nehmen würde . Ich habe es bis heute nicht bereut .

Die Kunst spiegelt auf direkteste und expressivste Art mein Seelenleben wieder und ich brauche

 sie für mein inneres Gleichgewicht .